Bezirk Niederbayern feiert Jubiläum des Krisendienst Psychiatrie Niederbayern
Landshut. Seit fünf Jahren steht der Krisendienst Psychiatrie Niederbayern Menschen in psychischen Ausnahmesituationen zur Seite – empathisch, kompetent und auf Wunsch anonym. Erreichbar ist er unter der bayernweit einheitlichen Telefonnummer 0800 655 3000, rund um die Uhr, an 365 Tagen im Jahr. Anlässlich des Jubiläums lud der Bezirk Niederbayern zu einer Feier in die Landshuter Bezirksverwaltung.
Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich beleuchtete die Entstehung und Entwicklung des Krisendienstes. Initiiert wurde der Krisendienst vom Freistaat Bayern, die Umsetzung lag in der Verantwortung des Bezirks. Im März 2021 startete das Angebot, das sich nicht nur an direkt Betroffene, sondern auch an deren Angehörige richtet.
Heute arbeiten 20 Fachkräfte – darunter Sozialpädagogen, Psychologen und Fachpfleger – in der Leitstelle am Bezirkskrankenhaus Landshut. „Zu Beginn war es eine Herausforderung, genügend Personal zu gewinnen“, so Heinrich. Mittlerweile habe sich das grundlegend geändert: Der Krisendienst verzeichne sogar Initiativbewerbungen.
Ergänzt wird die Telefonleitstelle durch mobile Einsatzteams, die Hilfesuchende in besonderen Fällen auch persönlich aufsuchen. Diese Teams sind bei den Sozialpsychiatrischen Diensten in Niederbayern sowie bei der Krisendienst Niederbayern gGmbH angesiedelt, die die sogenannten AWF-Einsätze an Abenden, Wochenenden und Feiertagen koordiniert.
Wie wichtig die Erreichbarkeit rund um die Uhr ist, unterstrich Werner Sagmeister von der Leitstelle: „Psychische Krisen halten sich nicht an Sprechzeiten. Sie kennen keine Wochenenden. Lange Zeit gab es für körperliche Notfälle den Notarzt – aber für die Seele? Da blieb oft nur die Psychiatrie oder die Polizei. Vor fünf Jahren hat sich das in Niederbayern grundlegend geändert.“
Die Krisendienste Bayern sind für alle verfügbar, die in Bayern leben. Die Beratung wird mithilfe von Dolmetscherdiensten in über 120 Fremdsprachen angeboten. Und sie ist über Gebärdensprache auch für gehörlose Personen möglich. „Außerdem ist ein Anruf kostenfrei und bleibt anonym – zwei sehr wichtige Punkte“, betonte der Bezirkstagspräsident.
Die Zahlen sprechen für sich: Im ersten Jahr führte die niederbayerische Leitstelle 5.000 Gespräche. Im Jahr 2025 waren es bereits 12.500 Telefonate, bei denen die Mitarbeitenden zuhörten, einordneten und gemeinsam mit den Anrufenden erste Lösungsansätze erarbeiteten. Bayernweit waren es 2021 rund 60.000 Telefonate und im vergangenen Jahr 109.000. „Jeder Dritte ist im Laufe seines Lebens betroffen“, so Heinrich. Entsprechend wichtig seien schnelle, niederschwellige Hilfen, die tatsächlich entlasten.